Präambel
Die Jungen Liberalen sehen den internationalen Terrorismus als
globale Gefahr. Es ist Aufgabe der Staatengemeinschaft, dieser
Gefahr effektiv entgegen zu treten. Effektiv ist eine solche
Reaktion nur, wenn es ihr Bestreben ist, die Freiheit aller zu
wahren.
Die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus ist kein Krieg: Weder
zwischen Staaten noch zwischen Kulturen oder gar Religionen. Die
Anschläge von New York, Madrid und London sind die Taten von
Verbrechern, die ihre Ideologie mit Gewalt durchsetzen wollen. Die
Unterscheidung zwischen Krieg und Verbrechen ist deshalb wichtig,
weil sie die Frage, welche Mittel der Staat einsetzen darf,
eindeutig beantwortet: Zwar ist auch im Krieg nicht alles erlaubt,
aber terroristische Aktivitäten, also Verbrechen, dürfen nur mit
rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft werden. Lager, wie sie die
Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel in Guantanamo
betreiben, sind in jedem Fall strikt abzulehnen.
Der internationale Terrorismus stellt sich für uns heute primär
als islamistischer Terrorismus dar. Eine solche Fokussierung ist
zwar nicht ohne Gefahr, denn terroristische Verbrechen wird es
immer auch aus anderen Motiven geben, für die aktuelle Betrachtung
ist der Fokus auf die konkrete Bedrohungslage jedoch zentral.
Gerade weil in diesem Fall eine Verknüpfung mit einer Religion
gegeben ist, muss eine liberale Gesellschaft mit besonderer
Vorsicht handeln. Islamisten sind nicht mit Muslimen
gleichzusetzen. Muslime dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt
werden. Sie haben genau wie jeder andere selbst großes Interesse an
der Bekämpfung des Terrorismus.
Eine freie Gesellschaft sichern
Eine Gesellschaft der Freiheit muss den Kampf gegen den
Terrorismus aufnehmen. Versucht sie jedoch eine Gesellschaft der
absoluten Sicherheit zu werden, hat sie die Freiheit schon
verloren. Sie muss akzeptieren, dass es absolute Sicherheit nicht
geben kann. Terrorismus will Angst und Schrecken verbreiten - je
größer Angst und Schrecken sind, umso näher sind die Terroristen
ihrem Ziel gekommen. Daher muss sich unsere Gesellschaft in einem
unaufgeregteren Umgang mit nicht vermeidbaren Katastrophen üben und
sicherheitspolitischer Panikmach eine klare Absage erteilen
Aus Sicht der Jungen Liberalen muss der Staat durch
vorausschauendes Handeln die Gefahr terroristischer Aktivitäten
vermindern: Prävention kann außenpolitisch durch
Entwicklungszusammenarbeit und Außenpolitik erreicht werden,
innenpolitisch durch verstärkte Bemühungen zur Integration und
einem klaren Bekenntnis zu unseren verfassungsrechtlichen
Grundwerten. Besteht eine konkrete Gefahr von Anschlägen, so hat
der Staat Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu treffen.
Prävention
Eine wirksame Bekämpfung des Terrorismus kann nur stattfinden,
wenn nicht nur Symptome sondern auch Ursachen bekämpft werden.
Daher sprechen sich die Jungen Liberalen dafür aus, in der
Terrorismusbekämpfung den Schwerpunkt auf Prävention zu setzen. Die
JuLis sind sich dabei bewusst, dass präventive Maßnahmen
Terrorismus nicht gänzlich verhindern. Jedoch können sie den
Terrorismus stark einschränken, da sie ihn bereits an der Wurzel
bekämpfen. So kann die Förderung der Bildung im Rahmen der
Entwicklungszusammenarbeit helfen, die Ideologie der Terroristen zu
entzaubern. Menschen, die Perspektiven besitzen und in Frieden
leben, sind dem Extremismus weniger anfällig. Allen Menschen die
Chancen zu ermöglichen, dafür müssen wir arbeiten Menschen, die
Perspektiven besitzen und in Frieden leben, sind dem Extremismus
weniger anfällig. Allen Menschen die Chancen zu ermöglichen, dafür
müssen wir arbeiten
Entwicklungszusammenarbeit
Mit Entwicklungszusammenarbeit und Außenpolitik stehen zwei
weitreichende Instrumente der Terrorismusprävention zur Verfügung.
Gerade Entwicklungszusammenarbeit darf jedoch nicht ausschließlich
unter diesem Aspekt betrachtet werden. Sie ist zuvorderst der
Solidarität mit dem einzelnen Menschen verpflichtet. Wir sehen,
dass der beschriebene Terrorismus in der Regel nicht aus Armut
erwächst. Daher muss es das Ziel funktionierender
Entwicklungszusammenarbeit sein nicht nur Armut zu lindern, sondern
auch Hilfe zur Selbsthilfe für den Aufbau langfristig
funktionierender, stabiler Rechtsstaaten zu leisten.
Daher fordern die Jungen Liberalen:
-
Entwicklungszusammenarbeit muss mehr mit bewährten NGOs und
weniger mit staatlichen Einrichtungen erfolgen. Nur so kann das
Ziel der Reduzierung von Armut und der Sicherstellung einer
besseren Bildung effektiv erreicht werden.
-
Die Trennung zwischen dem Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie dem Auswärtigen Amt
beizubehalten. Nur durch eine organisatorische Trennung können die
richtigerweise verschiedenen Zielsetzungen in der Politik der
jeweiligen Ministerien erhalten bleiben.
Im Rahmen des kulturellen Austausches sind Angebote an andere
Kulturen zu machen. Nur wenn wir Menschen vor Ort von unseren
Werten wie Menschenrechten und die Bekämpfung des Analphabetismus
und die Steigerung der Lesekompetenz, sowie grundlegende
Kulturtechniken muss stärker als bisher gefördert werden. Die
Arbeit von politischen und anderen Stiftungen im Ausland leistet
einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung und trägt zum Dialog
und zum Austausch der Kulturen und Gesellschaften bei. Diese Arbeit
muss verstärkt gefördert werden.
Außenpolitik
Der Terrorismus ist ein Problem, das sich nicht allein im
nationalen Rahmen erfolgreich bekämpfen lässt. Die Jungen Liberalen
bekennen sich deshalb klar zur internationalen Zusammenarbeit in
der Bekämpfung des Terrorismus. Es erscheint daher sinnvoll auch
die Europäische Union verstärkt verantwortlich in diese
Bestrebungen einzubinden. Terrorismus ist kein irrationales
Phänomen. Von einigen apokalyptischen Fanatikern abgesehen, nutzen
die meisten Terrorgruppen Anschläge als gezieltes Mittel zur
Erzeugung von Aufmerksamkeit und zur Durchsetzung politischer
Ziele. In der Vergangenheit hat die Staatengemeinschaft Terroristen
immer wieder internationale Legitimation verschafft, sich
Erpressungen gebeugt, und die Anliegen von Völkern, die zu
terroristischen Mitteln gegriffen haben, gegenüber den Anliegen
anderer Völker bevorzugt behandelt. Solange Terror sich jedoch
auszahlt, wird er weiter bestehen. Eine Außenpolitik, die darauf
bedacht ist, Terrorismus zu bekämpfen, darf keine anreize zum
Terrorismus geben. Sie muss konsequent darauf hinwirken, dass seine
Drahtzieher und Unterstützer politisch isoliert und juristisch
verfolgt werden. Jede internationale Zusammenarbeit muss jedoch
ihre Schranken im konsequent rechtsstaatlichen Handeln finden.
Um deutsche Außenpolitik glaubwürdig und nachhaltig zu
gestalten, muss sie an Werte gebunden sein. Deutschland darf sich
an Maßnahmen, die nationales oder internationales Recht verletzen,
nicht beteiligen. Zudem erwarten die JuLis, dass sich die
Bundesregierung bei entsprechend handelnden Staaten mit Nachdruck
für die Einstellung solcher Maßnahmen einsetzt. Dies gilt nicht nur
im Dialog gegenüber befreundeten Staaten.
Es ist auf eine zunehmende Verrechtlichung der internationalen
Politik hinzuwirken. Damit militärische Schritte in Zukunft in
einem effektiven, institutionellen Rahmen beschlossen werden und
einzelne Staaten militärische Alleingänge nicht mehr als Garant für
ihre nationale Sicherheit betrachten, hat für die Jungen Liberalen
die Reform der Vereinten Nationen hin zu einem funktionierenden
System der kollektiven Sicherheit oberste Priorität.
Daher fordern die Jungen Liberalen:
-
Um reformorientierte Kräfte zu fördern, müssen moderate
islamische und demokratische Parteien unterstützt werden. In
Staaten, in denen solche Parteien verboten sind, soll mit den
Mitteln der Diplomatie und gegebenenfalls auch mit Sanktionen auf
eine Zulassung hingewirkt werden. Vorstellbar ist auch die
finanzielle Unterstützung von demokratischen Bestrebungen.
-
Notwendig für das Funktionieren einer freiheitlichen Demokratie
ist, dass zuvor eine freie, unzensierte und nicht staatlich
gelenkte Presse- und Informationslandschaft, Grundlagen eines
Rechtsstaates sowie Strukturen einer Marktwirtschaft aufkeimen
können. Die Jungen Liberalen sehen in der Verurteilung staatlicher
Eingriffe, die eine Verhinderung dieser Strukturen zum Ziel haben,
eine wichtige Aufgabe deutscher Außenpolitik, die mit allen
diplomatischen Mitteln durchgesetzt werden muss. Ein
Demokratisierungsprozess scheitert immer, wenn nicht zuvor die
Grundlagen eines Rechtsstaates gelegt wurden
-
Regierungen, die terroristische Vereinigungen unterstützen oder
Terroristen beherbergen, müssen mittels intelligenter Sanktionen
gegen die Machthaber oder andere Personengruppen dazu bewegt
werden, dies künftig zu unterlassen. Mittel dazu können sowohl
politische als auch Reisebeschränkungen und gezielte
wirtschaftliche Sanktionen gegen die Staatsführung oder mit dieser
verbundenen Personen sein. Erklärtes Ziel ist hierbei, Sanktionen
zu verhängen, die möglichst geringe Auswirkungen auf die
Zivilbevölkerung haben
-
Wer zu terroristischen Mitteln greift, kann für die
Bundesrepublik Deutschland kein Partner sein. Weltweit muss das
klare Signal gesetzt werden, dass Terror sich nicht auszahlt,
sondern den politischen Anliegen derer, die in verüben, schadet.
Nur wer sich klar und glaubwürdig vom Terrorismus distanziert, darf
mit Unterstützung, sei sie politischer, finanzieller oder sonstiger
Natur, durch Deutschland und die EU rechnen können.
-
Gegen Staaten, die den Terrorismus weiterhin unterstützen und
fördern, dürfen als ultima ratio auch militärische Schritte
unternommen werden. Diese dürfen jedoch nur mit UN-Mandat im Rahmen
internationaler Koalitionen (z.B. NATO). eingesetzt werden.
Nationale Alleingänge lehnen die Jungen Liberalen entschieden
ab.
-
Die Gefahr, dass Terroristen in den Besitz von
Massenvernichtungswaffen kommen und von diesen Gebrauch machen, ist
die neue Bedrohungsdimension des Terrorismus. Daher muss es Aufgabe
der internationalen Gemeinschaft sein, die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die Jungen Liberalen sehen
langfristig die globale und atomare Abrüstung dafür als ein
dienliches Mittel an.
-
Präemptivschläge entbehren jeder rechtlichen Grundlage, sie
verstoßen gegen das Kriegsvölkerrecht. Dies gilt insbesondere für
solche ohne Kriegs- und Herkunftserklärung. Daher lehnen die JuLis
die gezielte Tötung von Personen außerhalb von Kriegszonen, wie
etwa in Pakistan durch Drohnen (unbemannte Flugkörper) erfolgt, als
unzulässig ab
-
Dem Terrorismus muss auch auf europäischer Ebene im Rahmen einer
gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik verstärkt
entgegengetreten werden. Gerade bei Erscheinungen wie dem
Terrorismus, die nicht allein nationalstaatlich lösbar sind, muss
die Europäische Union handlungsfähiger werden.
Integration
Deutschland ist ein Einwanderungsland und muss eine Gesellschaft
der vielen Kulturen werden. Gesellschaftliche Grundregeln eröffnen
und sichern den verschiedensten Kulturen Handlungsspielräume.
Gleichzeitig stellen sie ein auf Grundlage des Grundgesetzes
gebautes Fundament dar, dass in ihrem Handeln alle hier vertretenen
Kulturen teilen müssen. Verknüpfen sich diese Kulturen jedoch nicht
zu einer Gesellschaft, ist die Integration gescheitert und
Parallelgesellschaften entstehen. Mit einer gesellschaftlichen
Integration muss eine wirtschaftliche Integration einhergehen. So
ist in anderen Ländern die Verwurzlung der Einwanderer zum Beispiel
durch Wohneigentum wesentlich höher als in Deutschland.
Die Jungen Liberalen setzen statt konservativen
Assimilationsträumen auf einen andauernden Austausch der Kulturen
in unserem Land. Integration bedeutet somit das Verwurzeln von
Immigranten in der Gesellschaft und das Ermutigen zum Dialog. Diese
Integrationsbemühungen stellen ein wichtiges Element erfolgreicher
Gewaltprävention dar. Gelingende Integration von Migranten kann das
Bild des Westens in den jeweiligen Herkunftsländern der Migranten
entscheidend verbessern. Wer die freiheitlich demokratische
Grundordnung der Bundesrepublik einmal akzeptiert hat, wird kaum
anfällig sein für islamistische, antisemitische oder sonstige
antidemokratische Hassprediger. Im besten Fall können in
Deutschland erfolgreich in die Wertegemeinschaft eingegliederte
Muslime Botschafter der Toleranz und der Vernunft in ihren
Heimatregionen sein.
Die Jungen Liberalen fordern daher endlich ernsthafte Bemühungen
um die nachhaltige Integration in Deutschland lebender Migranten.
Parallelgesellschaften müssen soweit wie möglich verhindert und, wo
sie bereits entstanden sind, aufgebrochen werden. Als ein Beitrag
dazu hat der Staat auch die Aufgabe, die Rechte des Einzelnen an
alle Menschen in unserer Gesellschaft zu kommunizieren.
Eine Einwanderungsgesellschaft muss in den Köpfen aller
entstehen und akzeptiert werden. Die Bürgergesellschaft muss Hilfen
zur Integration konkret anbieten.
Daher fordern die Jungen Liberalen:
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Eine gemeinsame Sprache ermöglicht den Austausch zwischen den
Kulturen. Bei der Einbürgerung ist daher darauf zu achten, ob die
Einbürgerungswilligen der deutschen Sprache mächtig sind. Gleiches
gilt für Kinder bei der Einschulung. Ist die Sprachkompetenz dort
noch nicht hinreichend entwickelt, müssen vor Schulbeginn
entsprechende Kurse angeboten und wahrgenommen werden. Wenn möglich
sollten die Eltern in diese Kurse mit einbezogen werden.
-
Beim Nachzug von Ehepartnern und Familienangehörigen ist eine
Integration in die Gesellschaft durch das Erlernen der deutschen
Sprache sicherzustellen..
-
Gesellschaftskundeunterricht statt Gesinnungstests. Jeder in
Deutschland aufgewachsene Bürger nimmt in der Schule am
Gesellschaftskundeunterricht (Geschichte, Sozial- und
Politikwissenschaften) teil. Einbürgerungswillige sollten mit dem
Wertekanon unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft
vertraut gemacht werden. Für nicht mehr schulpflichtige Personen
soll dies in gesonderten Kursen stattfinden. Gesinnungstests,
insbesondere wenn sie nur auf bestimmte, unter Generalverdacht
stehende, Gruppen (beispielsweise Migranten aus arabischen Ländern)
abzielen, lehnen die JuLis ab.
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Die Jungen Liberalen sprechen sich für die Abschaffung des
klassischen konfessionsgebundenen Religionsunterrichts aus.
Stattdessen soll ein für alle Schüler verpflichtender
religionskundlicher Unterricht stattfinden, der im Sinne einer
umfassenden Gesellschaftskunde auch alle großen Religionen neutral
und nicht missionarisch darstellt. Religionsunterricht darf nur von
staatlich geprüften Lehrern durchgeführt werden. Es ist zu
gewährleisten, dass diese Lehrer die deutschen
verfassungsrechtlichen Grundsätze anerkennen.
-
Durch stadtplanerische Instrumente muss eine weitere
Gettoisierung verhindert werden. Insbesondere muss für Jugendliche
die Möglichkeit geschaffen werden, vor Ort in Kontakt mit anderen
Kulturen zu treten. Hierfür sind zum Beispiel entsprechende
Angebote in Jugendzentren zu schaffen.
-
Alle Menschen, die länger als fünf Jahre in Deutschland leben,
sollen kommunales Wahlrecht erhalten, um vor Ort ihr Lebensumfeld
mitgestalten zu können. Neben der konkreten Partizipation
ermöglicht dies auch eine Heranführung an die Instrumente der
Demokratie.
Gefahrenabwehr
Freiheit und Sicherheit sind zentrale Werte jeder Gesellschaft.
Die politische Diskussion ist dabei immer ein Abwägungsprozess
zwischen diesen beiden Werten. Für Liberale bleibt auch in der
Situation der terroristischen Bedrohung der Wert der Freiheit von
größter Bedeutung. Gibt unsere Gesellschaft die Freiheit und die
mit ihr verbundenen Grund- und Bürgerrechte auf, so hat sie den
Kampf gegen den Terrorismus schon verloren. Eine Gesellschaft kann
nur sicher sein, wenn ihre Bürger in Freiheit leben und sich
entfalten können. Ohnehin ist eine absolut sichere Gesellschaft
eine Fiktion: Selbst unter der kompletten Aufgabe der Freiheit des
Einzelnen wäre eine einhundertprozentige Sicherheit nicht zu
erreichen. Daher konkurrieren die Werte Freiheit und Sicherheit
nicht nur, sondern sie bedingen einander auch.
Durch das neue Tätermuster von Selbstmordattentätern stehen die
Sicherheitsbehörden vor einer neuen Herausforderung. Dennoch ist es
wichtig, dass auch präventives Handeln der Sicherheitsbehörden
stets rechtsstaatlich gedeckt ist. Denn jeder Staat, der Mittel in
der Terrorismusbekämpfung einsetzt, mit denen er die
Rechtsstaatlichkeit untergräbt und die Freiheit seiner Bürger
beschneidet, spielt Terroristen in die Hände, da er zum Ziel, das
demokratische und rechtsstaatliche System zu stürzen, selbst
beiträgt.
Institutionen der Terrorismusbekämpfung
Gerade ein Staat, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert,
muss institutionell in der Lage sein, seine sicherheitspolitischen
Aufgaben zu erfüllen. Großteils ist dies in Deutschland bereits
heute der Fall. In einigen Bereichen haben sich die Behörden den
neuen Anforderungen noch nicht angepasst. Hier streben die Jungen
Liberalen Nachbesserungen an, mahnen jedoch zur Vorsicht: Weder der
Staat als ganzes, noch einzelne Behörden dürfen den Kampf gegen den
Terrorismus als Vorwand nutzen, um über ihre angemessenen
Aufgabenbereiche hinauszugehen.
Daher fordern die Jungen Liberalen:
-
Das Trennungsgebot zwischen Polizei und Nachrichtendiensten muss
aufrechterhalten und darf nicht angetastet werden. Eine so genannte
Geheimpolizei darf es aus Sicht der Jungen Liberalen nicht geben.
Dies bedeutet, dass Nachrichtendienste ihrer besonderen Rechte auch
nur nachrichtendienstlich einsetzen dürfen, und dass die
Polizeibehörden keine nachrichtendienstlichen Methoden verwenden
dürfen. Eine Geheimpolizei untergräbt das Vertrauen der Bevölkerung
in den Staat und verletzt grundlegende Werte unserer
Gesellschaft.
-
Die Terrorismusbekämpfung muss als eine Führungsaufgabe dem
Bundeskriminalamt zugeordnet werden. Die zuständigen Abteilungen in
den Landeskriminalämter und den lokalen Polizeibehörden, die
bislang hier wesentlich in der Verantwortung stehen, sollen
erhalten bleiben, aber dem BKA nachgeordnet werden. Hierdurch wird
eine zentrale Koordinierung der Terrorbekämpfung geschaffen, ohne
die Szene vor Ort aus den Augen zu verlieren. Die europäische
Zusammenarbeit in der Terrorismusbekämpfung soll weiter gestärkt
werden, sowohl im Bereich der Polizei als auch langfristig
nachrichtendienstlich.
-
Das bereits existierende Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum
(GTAZ) halten die Jungen Liberalen für eine sinnvolle Einrichtung.
Es trägt zur Vernetzung der verschiedenen Sicherheitsbehörden in
effektiver Art und Weise bei. Eine Ausweitung der Aktivitäten auf
die Eindämmung anderer möglicher Gefahrenlagen, beispielsweise des
Rechtsextremismus, oder eine andersartige Ausdehnung der Befugnisse
des GTAZ ist jedoch unter Verweis auf das Trennungsgebot unbedingt
abzulehnen.
Instrumente der Terrorismusbekämpfung
Die Gewährleistung der inneren und äußeren Sicherheit ist eine
Kernaufgabe des Staates. Daher drängen die Jungen Liberalen auf
eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der
Sicherheitsbehörden in Deutschland. Sowohl der Bund als auch die
einzelnen Länder stehen hier in der Pflicht.
Die finanzielle Ausstattung muss verbessert werden, die
rechtliche Ausstattung nicht. Vielmehr muss hier an einigen Stellen
zurückgerudert werden. Im Nachgang des zweiten Anschlags auf das
World Trade Center wurden hier zu viele Einschnitte zu Lasten der
Bürgerrechte vollzogen. Diesem Sicherheitsaktionismus treten wir
entschieden entgegen.
Daher fordern die Jungen Liberalen:
-
Ein klares Bekenntnis zum absoluten Folterverbot. Dies gilt für
alle Mitarbeiter deutscher Sicherheitsbehörden selbstverständlich
auch bei Einsätzen im Ausland. Erkenntnisse, die andere Staaten
unter Folter gewonnen haben, dürfen weiterhin in Deutschland nicht
gerichtsverwertbar sein.
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Keine Videoüberwachung öffentlicher Plätze und eine Abkehr vom
Einsatz der Rasterfahndung, insbesondere ohne konkretes
Verdachtsmoment. Auch das in die Diskussion geratene automatische
Screening von Kfz-Kennzeichnen ist nicht akzeptabel. Viele der
klassischen Begehrlichkeiten der Sicherheitsbehörden und einzelner
Innenminister sind zur effektiven Terrorabwehr nicht geeignet
-
Der potentielle Nutzen des Aufbaus einer Datei mit genetischen
Fingerabdrücken steht in keinerlei Verhältnis zum dadurch bedingten
massiven Eingriff in den individuellen Schutzbereich. Die nicht
abzusehenden zukünftigen Möglichkeiten der Nutzung einer solchen
Datenbank mahnen zur Vorsicht. Daher wird diese von den Jungen
Liberalen grundsätzlich abgelehnt.
-
Die Jungen Liberalen unterstützen den Einsatz verdeckter
Ermittler der Polizeibehörden, um insbesondere der Anwerbung
potentieller Terroristen in Deutschland entgegenzuwirken. Da diese
gerichtsverwertbare Ergebnisse vorlegen sollen, ist es unabdingbar,
dass diese Erkenntnisse auf rechtsstaatlichem Weg gewonnen werden.
Dies bedeutet, dass die Ermittler nicht in den Nachrichtendiensten,
sondern innerhalb polizeilicher Ermittlungsbehörden angesiedelt
sind. Daraus erschließt sich auch, dass sie lediglich mit
polizeilichen Befugnissen agieren können. Der Einsatz
nachrichtendienstlicher Methoden bleibt verwehrt. Nur Erkenntnisse,
die auf rechtsstaatlichen Weg erlangt sind, dürfen vom Rechtsstaat
genutzt werden.
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Den verstärkten Einsatz von Menschen mit Migrationshintergrund
bei den Polizeibehörden und Diensten. Hier sind sie bislang
deutlich unterrepräsentiert. Ihr Einsatz versetzt die Behörden in
die Lage, einen besseren Zugang zu und größeres
Ermittlungsverständnis für alle Kulturen in unserer Gesellschaft zu
haben.
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Keine Verschärfung der Strafbarkeit terroristischer Propaganda.
Der offene Aufruf zu Straftaten ist bereits bei jetziger
Gesetzeslage strafbar. Eine Strafbarkeit von Floskeln und Metaphern
herzustellen, die möglicherweise einen Aufruf zu einer Straftat
beinhalten, erscheint rechtsstaatlich fragwürdig. Es ist keine
Grenze zu ziehen, bis wohin Äußerungen erlaubt sind und ab wo nicht
mehr. Die Jungen Liberalen sehen daher in diesem Vorhaben die
Gefahr, dass der allgemeine Sprachgebrauch unter Strafe gestellt
wird.
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Die Trennung zwischen dem Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie dem Auswärtigen Amt
beizubehalten. Nur durch eine organisatorische Trennung können die
richtigerweise verschiedenen Zielsetzungen in der Politik der
jeweiligen Ministerien erhalten bleiben.
-
Im Rahmen des kulturellen Austausches sind Angebote an andere
Kulturen zu machen. Nur wenn wir Menschen vor Ort von unseren
Werten wie Menschenrechten und die Bekämpfung des Analphabetismus
und die Steigerung der Lesekompetenz, sowie grundlegende
Kulturtechniken muss stärker als bisher gefördert werden. Die
Arbeit von politischen und anderen Stiftungen im Ausland leistet
einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung und trägt zum Dialog
und zum Austausch der Kulturen und Gesellschaften bei. Diese Arbeit
muss verstärkt gefördert werden.